Temperaturmessung mit Hochtemperatur-Schutzrohren

10.12.2025

So schützt IWB ihre Temperaturmessung mit Hochtemperatur- Schutzrohren von Albert Balzer AG

Hinter den Kulissen der Kehrichtverwertungsanlage Basel:
So schützt IWB ihre Temperaturmessung mit Hochtemperatur-
Schutzrohren

TL;DR

Die Basler Energieversorgerin IWB betreibt eine der modernsten und effizientesten Kehrichtverwertungs-Anlagen (KVA) Europas. Hier wird aus Abfall wertvolle Energie – nachhaltig und zuverlässig. Damit der komplexe Verbrennungsprozess präzise gesteuert werden kann, spielt eine stabile Temperaturmesstechnik eine zentrale Rolle.

Bei unserem Besuch nahm sich Maurizio Pascarella aus dem Instandhaltungsteam von IWB Zeit, uns durch die Anlage zu führen und im anschliessenden Interview Einblicke in den Betrieb, die Abläufe und den Einsatz unserer Thermoelemente mit Hochtemperatur-Schutzrohr zu geben.

„Thermoelemente mit Hochtemperatur-Schutzrohr sichern die präzise Steuerung des gesamten Verbrennungsprozesses – selbst bei 1'100 °C.“

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Bild Albert Balzer AG: Müllverbrennungsofen IWB

In diesem Beitrag zeigen wir, wie die KVA Basel arbeitet, warum Hochtemperatur-Schutzrohre in der Praxis unverzichtbar sind und wie sie die empfindlichen Temperatursensoren (Thermopaaren) im Hochtemperaturbereich zuverlässig schützen – ein Beispiel dafür, wie präzise Temperaturmesstechnik bei IWB umgesetzt wird.

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Bild Albert Balzer AG: Areal der KVA Basel

Die KVA Basel ist weit mehr als nur eine Entsorgungsanlage. Sie ist ein zentraler Energieproduzent für die Region. Rund die Hälfte der Basler Fernwärme stammt aus dieser Anlage. Bei der Verbrennung des Abfalls entsteht Abwärme, die zur Erzeugung von Heisswasser, Dampf und Strom genutzt wird. Der erzeugte Dampf wird mit bis zu 40 bar Druck auf Turbinen geleitet, wo er Strom erzeugt und anschliessend zur Fernwärmeversorgung und Prozessdampferzeugung dient. Damit produziert die KVA Basel Fernwärme – ein Meilenstein für die klimafreundliche Energieproduktion der Region.

Jährlich werden hier rund 230 000 Tonnen Abfälle thermisch verwertet – Abfälle aus Basel-Stadt, Basel-Landschaft, dem unteren Fricktal, dem Laufental, dem Schwarzbubenland und dem Landkreis Lörrach. Das Einzugsgebiet umfasst über 700 000 Einwohnerinnen und Einwohner sowie rund 200 000 Arbeitsplätze (Stand 2023).

Damit diese hochkomplexe Anlage zuverlässig arbeitet, ist ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Technik, Steuerung und Überwachung nötig.

Hier kommt die Temperaturmesstechnik ins Spiel. IWB setzt dafür seit über zehn Jahren auf Thermoelemente mit Hochtemperatur-Schutzrohren der Albert Balzer AG. Diese robusten Bauteile überwachen die Temperatur in den Öfen zuverlässig, selbst unter extremen Bedingungen wie Hitze, Staub und korrosiven Gasen. Im Verbrennungsprozess entstehen Temperaturen von bis zu +1100 °C, die kontrolliert werden müssen.

Bevor wir jedoch auf die technischen Details und den Einsatz dieser Hochtemperatur-Schutzrohre eingehen, werfen wir einen Blick auf den Ablauf in der Kehrichtverwertungsanlage Basel – vom Anliefern des Abfalls bis zur Energiegewinnung. Denn nur wer versteht, wie eine KVA funktioniert, erkennt, welche Rolle Temperaturmessung für Effizienz und Sicherheit spielt.

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Bild IWB: Einzugsgebiet KVA Basel

Von Abfall zu Energie – so funktioniert die KVA Basel

Die KVA Basel ist ein Paradebeispiel für moderne, nachhaltige Energiegewinnung: Sie wandelt alltäglichen Hauskehricht in Wärme, Dampf und Strom um – und das mit beeindruckender Effizienz und Präzision.

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Bild IWB: Ablauf der Kehrichtverwertungsanlage

Anlieferung und Vorbereitung

Täglich treffen in der Anlage rund 800 Tonnen Abfall ein – überwiegend per Lastwagen, ein Teil auch mit dem Zug. Jeder Transport wird zunächst gewogen, bevor der Abfall in den riesigen Müllbunker gelangt. Dieser fasst rund 25’000 Kubikmeter und dient als Zwischenspeicher und Mischzone.

Im Müllbunker wird der Abfall gemischt, um eine gleichmässige Müllqualität zu erreichen. Das ist sehr wichtig, um eine konstante Temperatur im Verbrennungsofen zu halten. Der Weg des Abfalls führt vom Bunker über eine Dosiervorrichtung direkt in die Verbrennungskammer. Hier geschieht das Entscheidende: Bei Temperaturen um +1100 °C wird der Abfall vollständig verbrannt.

Der Kran läuft nach vorprogrammierten Programmen, greift bis zu 3,5 Tonnen Abfall pro Hub – und fördert so bis zu 30 Tonnen pro Stunde in den Ofen. Es kommt jedoch immer wieder vor, dass das Überwachungssystem starke Temperaturschwankungen meldet.

Und genau hier beginnt die erste Herausforderung im täglichen Betrieb: Unregelmässiger Müll führt zu Temperaturschwankungen – und damit zu möglichen Störungen im Verbrennungsprozess.

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Bild IWB: Kran im Müllbunker

Von „unregelmässigem Müll“ spricht man, wenn die Zusammensetzung des Abfalls nicht zusammenpasst oder zu einheitlich ist. Ursachen dafür sind zum Beispiel:

  • Korrosive Bestandteile: Falsch entsorgte Industrieabfälle oder Chemikalien können zu Reaktionen im Ofen führen.
  • Zu hoher Feuchtigkeitsanteil: Etwa bei starkem Regen gelangt vermehrt nasser Müll in den Bunker.
  • Saisonale Unterschiede: Im Sommer ist der Energiebedarf geringer, die Verbrennung muss entsprechend gedrosselt werden.
  • Grosse Anlässe: Einheitlicher, trockener Müll – etwa nach der Fasnacht – kann kurzfristig sehr hohe Temperaturen verursachen.

Ist der Müll zu nass oder schlecht brennbar, sinkt die Temperatur im Ofen. In solchen Fällen übernimmt der Kranführer manuell die Steuerung, mischt das Material neu und sorgt dafür, dass sich die Verbrennung wieder stabilisiert.

Der Verbrennungsprozess

Die KVA Basel verfügt über vier Ofenlinien, die parallel laufen. Zwei Ofenlinien für die Holz- und zwei für die Müllverbrennung – jede mit einem eigenen 25 Meter hohen Ofen. Diese Öfen sind das Herz der Anlage. Sie arbeiten rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche, 365 Tage im Jahr.

Neben den beiden Müllverbrennungslinien gehören zur Anlage auch zwei Holzheizkraftwerke (HKW 1 und HKW 2). In diesen Bereichen kommt eine deutlich höhere Anzahl an Thermoelementen zum Einsatz: Im HKW 1 sind derzeit 22 Thermoelemente, im HKW 2 sogar 27 Thermoelemente installiert. In den beiden Müllverbrennungslinien sind jeweils sechs Thermoelemente aktiv – alle Thermoelemente selbstverständlich mit Hochtemperatur-Schutzrohr.

Auf die Frage, weshalb in den Holzheizkraftwerken so viel mehr Messstellen verbaut sind, erklärt Maurizio Pascarella aus dem Instandhaltungsteam:

Das hängt sicher auch mit dem Alter der Anlagen zusammen. Die Holzheizkraftwerke sind rund 15 Jahre alt, während die KVA schon über 20 Jahre oder mehr in Betrieb sind. Heute legt man grösseren Wert darauf, die Verteilung des Feuers im Brennraum besser im Griff zu haben.“ Er ergänzt:

„Mittlerweile nutzt die KVA zusätzlich mehr Oberflächensensoren zur Temperaturermittlung. Kurz gesagt: Man optimiert kontinuierlich die Verfahrenstechnik und Prozesse um die Effizienz der Anlage weiter zu steigern.“

Zum Anfahren der Anlage werden Ölbrenner eingesetzt, doch im Normalbetrieb läuft die Verbrennung autark – allein durch den Energiegehalt des Abfalls. Der Müll verbleibt etwa 45 Minuten im Ofen, bis er vollständig zu Schlacke und Gas umgesetzt und abgeführt werden kann.

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Bilder Albert Balzer AG: Feuer im Müllverbrennungsofen

In dieser Phase kommt es auf die richtige Temperaturführung an: Zu niedrige Temperaturen führen zu unvollständiger Verbrennung, zu hohe Werte belasten Material und Umwelt. Die Temperaturmesstechnik unterstützt hier für die notwendige Kontrolle.

Energiegewinnung – Dampf, Strom und Fernwärme

Die bei der Verbrennung entstehenden heissen Rauchgase erhitzen Wasser zu +400 °C heissem Dampf mit einem Druck von 40 bar. Dieser Dampf treibt Turbinen an, die elektrischen Strom erzeugen. Anschliessend wird die Restenergie des Dampfes genutzt, um Fernwärmewasser zu erhitzen oder Prozessdampf für die Industrie bereitzustellen.

Dank dieser effizienten Kaskadennutzung erreicht die Anlage einen Gesamtenergienutzungsgrad von 68 - 76 % – ein Spitzenwert unter den 30 Kehrichtverwertungsanlagen der Schweiz. Der Energienutzungsgrad variiert jährlich aus verschiedenen externen Gründen. 

Rauchgas- und Abwasserreinigung

Wo verbrannt wird, entstehen Gase – und die werden hier äusserst gründlich gereinigt. In mehreren Stufen werden Schadstoffe, Säuren, Schwermetalle und Feinstäube entfernt:

  • Ein Elektrofilter scheidet grobe Partikel ab.
  • Ammoniakwasser im Katalysator wandelt Stickoxide, Dioxine und Furane in unschädliche Verbindungen um.
  • Anschliessend werden die Rauchgase in einer mehrstufigen Nasswäsche von Säuren und Reststoffen befreit.

Das dabei entstehende Wasser wird in einer separaten Abwasserreinigungsanlage behandelt – der grösste Teil kann danach in den Rhein zurückgeführt werden.

Übrig bleiben nur noch rund 20 % Reststoffe (Schlacke, Filterstaub, Filterkuchen). Diese werden aufbereitet: Metalle werden zurückgewonnen, der Rest fachgerecht deponiert.

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Bild IWB: Die KVA in der Übersicht

Überwachung und Steuerung

Gesteuert wird der gesamte Prozess zentral aus der Leitwarte. Hier überwachen Mitarbeitende die Verbrennung, die Rauchgasreinigung, die Energieproduktion und sämtliche Anlagenparameter in Echtzeit.

Bild IWB: Leitwarte von IWB

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Revision und Instandhaltung

Damit die Anlage über Jahrzehnte sicher und effizient läuft, sind regelmässige Inspektionen und Revisionen Pflicht.
Früher fanden jährlich dreiwöchige Revisionen statt, heutzutage können sie auch um ein Jahr ausgesetzt werden, wenn die Anlage keine grossen Reparaturen benötigt.  Eine Revision muss ca. ein Jahr im Voraus geplant werden, da sehr viele Prozesse davon abhängen:

  • Müllbunker muss auf einem tiefen Niveau gefüllt sein
  • Müll muss umgeleitet werden
  • Keine Grossveranstaltungen dürfen zu dieser Zeit in der Region erfolgen u. v. m.  

Vor jeder Revision muss der Verbrennungsraum abkühlen – das dauert rund zwei Tage.

Neben den Grossrevisionen führt das Instandhaltungsteam von IWB einmal pro Jahr eine zweiwöchige Inspektion durch, bei denen einzelne Komponenten überprüft oder ersetzt werden.

Hochtemperatur-Schutzrohre in der Praxis:
Anwendung in der KVA Basel

Nach dem Blick auf die Abläufe in der Kehrichtverwertungsanlage wird klar: Die Temperaturmessung ist ein zentraler Faktor, um die Verbrennung präzise zu steuern, die Energiegewinnung zu optimieren und den Anlagenbetrieb sicher zu halten. Denn im Brennraum der KVA herrschen extreme Bedingungen, bei denen Messsensoren ohne geeigneten Schutz keine Chance hätten.

„Ohne Hochtemperatur-Schutzrohr hätten sensible Thermoelemente Keine Chance gegen Hitze, Staub und aggressive Gase im KVA-Betrieb.“

Temperaturmessung unter Extrembedingungen

In der KVA Basel werden im Verbrennungsraum Temperaturen von +800 °C bis über +1100 °C erreicht. Gleichzeitig wirken dort aggressive Rauchgase, Feinstaub, Säuren und mechanische Belastungen auf die Messtechnik ein. Damit die Sensorik (Thermopaare) diesen Kräften standhält, setzt IWB auf Thermoelemente mit Hochtemperatur-Schutzrohren.

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Bilder Albert Balzer AG: Thermoelemente an verschieden Orten im Müllverbrennungsofen platziert. Elektrische Anbindung an das zentrale Überwachungssystem

Diese Schutzrohre übernehmen mehrere entscheidende Aufgaben:

  1. Thermischer Schutz:
    Sie verhindern, dass das Thermoelement direkt mit der heissen Verbrennungsatmosphäre in Kontakt kommt. Dadurch verlängert sich die Lebensdauer der Messeinsätze deutlich.

  2. Chemischer Schutz:
    In der Müllverbrennung entstehen schwefelhaltige und saure Gase. Die Schutzrohre wirken als Barriere und verhindern Korrosion.

  3. Mechanischer Schutz:
    Die Verbrennungsräume sind voller Staub und Partikel. Schutzrohre schützen die Thermopaare vor Abrieb und mechanischer Beschädigung.

  4. Wirtschaftlichkeit:
    Das Schutzrohr und andere Komponenten lassen sich bei Verschleiss einzeln austauschen – das Thermoelement muss nicht komplett ersetzt werden.

Die eingesetzten Thermoelemente sind vom Typ K, ein bewährter Standard für Hochtemperatur-Anwendungen. Sie sind robust, kosteneffizient und zuverlässig bis etwa +1200 °C einsetzbar.

Aufbau und Platzierung der Sensoren

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Bild Albert Balzer AG:
Bildschirmansicht des Verbrennungsofens Linie 2

In der KVA Basel sind pro Müllverbrennungslinie je sechs Thermoelemente installiert. Sie sind strategisch verteilt, um Temperaturverläufe im gesamten Brennraum präzise zu erfassen:

Zwei Thermoelemente im unteren Bereich:
Hier liegt die Temperatur zwischen +800 °C und +1'100 °C. Diese Sensoren befinden sich unmittelbar in Flammennähe und sind stark thermisch belastet.

Zwei Thermoelemente im mittleren Bereich:
Temperaturbereich +800 °C bis +950 °C. Sie messen die Stabilität des Verbrennungsprozesses und helfen, die Luftzufuhr optimal zu regeln.

Zwei Thermoelemente im oberen Bereich:
Temperaturbereich +450 °C bis +700 °C. Hier wird die Restwärme überwacht, bevor die Gase über den Dampfkessel abgeführt werden.

Obwohl Hitze physikalisch nach oben steigt, ist der obere Bereich des Verbrennungsraums kühler. Das liegt daran, dass die Wärme bereits über den Dampfkessel durch die Luftzufuhr abgeführt wird. Das Wasser, das dort über Rohre zirkuliert, kühlt den oberen Bereich und nimmt die Wärme auf – daraus entsteht Dampf, der später die Turbinen antreibt.

Wie ist ein Thermoelement mit Schutzrohr zusammengesetzt

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Thermoelemente mit Hochtemperatur-Schutzrohren zu konfigurieren. Je nach Anwendung, Temperaturbereich und Kundenanforderung wird jede Ausführung individuell zusammengestellt.

Auch bei IWB kommen verschiedene Varianten zum Einsatz – angepasst an die jeweiligen Bedingungen in den Verbrennungslinien.

Wir zeigen exemplarisch, wie ein solches Thermoelement mit Schutzrohr aufgebaut ist und welche Überlegungen hinter der gewählten Konstruktion stehen.

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Bilder Albert Balzer AG: Aufbau Thermoelement mit Schutzrohr

In der Regel sitzt der Messeinsatz vom Thermoelement im Schutzrohr und liegt an der Spitze dauerhaft an. Dieser direkte Kontakt zwischen Sensor und Schutzrohr führt zu einer konstanten Wärmeübertragung. Trifft kurzfristig eine Flamme auf das Schutzrohr, zeigt das System sofort eine Überhitzung und löst unter Umständen unnötig Alarm aus – im KVA-Betrieb unerwünscht, weil solche kurzen Flammenschläge normal sind.

Bei IWB wurde deshalb bewusst auf den direkten Spitzenkontakt verzichtet, um die Ansprechzeit der Messung gezielt um ca. 5–10 Minuten zu verzögern. So werden kurze Temperaturspitzen geglättet, ohne die Messqualität im Prozess zu beeinträchtigen.

Ein zusätzlicher Vorteil: Schutzrohre dehnen sich unter hoher Temperatur aus. Wäre der Messeinsatz (wie bei Ausführung A/B) vorgespannt und würde dauerhaft anliegen, könnten ebenso kurzzeitige Überhitzungen und unnötige Alarme ausgelöst werden. Mit der bei IWB gewählten Bauweise bleibt der Messeinsatz bei Ausdehnung weitgehend spannungsfrei und positionsstabil.

Messeinsätze nach Ausführung A/B werden dort eingesetzt, wo Temperaturänderungen sofort erkennbar sein müssen – also genau das Gegenteil der Zielsetzung bei IWB. Sie eignen sich für Anwendungen mit weitgehend konstanten Betriebstemperaturen: Dehnt sich in solchen Fällen das Schutzrohr bei starker Hitze aus, drücken die Federn den Messeinsatz bzw. den Sensor konstant an das Schutzrohr, um eine gleichbleibende Temperaturmessung sicherzustellen.

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Bilder Albert Balzer AG
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Bilder Albert Balzer AG

Werkstoffe für Hochtemperatur-Schutzrohre – Auswahl, Eigenschaften und Einsatzgebiete

Warum die Werkstoffwahl entscheidend ist


Die Wahl des richtigen Werkstoffs entscheidet daher über Messstabilität, Lebensdauer und Betriebssicherheit. Je nach Verbrennungsumgebung wirken auf die Schutzrohre unterschiedliche Faktoren ein:

  • Temperatur: dauerhafte thermische Belastung bis über +1100 °C
  • Atmosphäre: oxidierend oder reduzierend, schwefelhaltig, korrosiv
  • Mechanische Beanspruchung: Staub, Asche, Abrieb
  • Prozessdauer: 24/7-Betrieb über Jahre

 

Ein falscher Werkstoff kann hier schnell zu Zunderbildung, Verformung oder Durchbrand führen – mit der Folge unzuverlässiger Messwerte oder gar Ausfall des Sensors.

„Werkstoff 1.4762 – die Basis für thermische Beständigkeit, minimale Zunderbildung und höchste Verfügbarkeit in der Müllverbrennung.“

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Warum IWB auf Werkstoff 1.4762 setzt

Der in der KVA Basel eingesetzte Werkstoff 1.4762 bietet genau die Widerstandsfähigkeit, die im täglichen Dauerbetrieb erforderlich ist:

  • Hohe Hitzebeständigkeit: bis +1150 °C
  • Ausgezeichnete Schwefel-Resistenz: ideal für Rauchgas mit reduzierenden Bestandteilen
  • Geringe Zunderbildung: auch bei langem Dauerbetrieb
  • Stabile Form und Struktur: kein Verzug durch Temperaturschock oder Belastung

 

Während andere Werkstoffe (z. B. 1.4749) bereits bei längerer Exposition über +1000 °C an ihre Grenzen stossen, bleibt 1.4762 formstabil und beständig. Für IWB bedeutet dies: längere Standzeiten, weniger Wartungsaufwand und konstante Messergebnisse, selbst bei hohen Lastzyklen.

Weitere typische Einsatzgebiete für 1.4762 sind:

  • Apparate- und Maschinenbau für Hochtemperatureinsätze
  • Ofenbau und Russbläser
  • Kettenindustrie
  • Müll- und Sondermüllverbrennung

 

Ergänzende Schutzmassnahmen

Neben der Werkstoffwahl beeinflussen auch weitere Faktoren die Lebensdauer der Schutzrohre:

  • Wandstärke des Rohres: Je dicker, desto langlebiger – aber träge in der Reaktionszeit.
  • Montageart: Ein korrekt ausgerichteter Prozessanschluss verhindert Materialspannungen.
  • Wartungsintervall: Regelmässige Sichtkontrolle und präventiver Austausch verlängern die Gesamtstandzeit erheblich.

 

Schutzrohre und Messgenauigkeit – eine bewusste Balance

Je stärker ein Thermoelement geschützt ist, desto träge reagiert es auf Temperaturänderungen und hat eine tiefere Messgenauigkeit. Das Schutzrohr wirkt wie ein Puffer: Es schützt den Sensor vor Hitze, Staub und Gasen, verlangsamt aber die Signalübertragung und die Messgenauigkeit.

In der KVA Basel steht nicht die exakte Laborpräzision im Zentelbereich im Vordergrund, sondern die sichere Steuerung eines grossen Verbrennungsprozesses. Abweichungen von bis zu ±200 °C sind tolerierbar, solange die Werte stabil bleiben. Entscheidend ist die Langzeitstabilität – und diese wird durch das robuste Design der Thermoelemente mit Hochtemperatur-Schutzrohre gewährleistet.

Die Verbrennungsprozesse sind träge und grossvolumig – kleine Temperaturunterschiede haben kaum Einfluss auf die Stabilität. 

 

Überwachung und Alarmierung

Alle Messwerte der Thermoelemente werden zentral in der Leitwarte der KVA Basel erfasst. Das System erkennt Temperaturabweichungen sofort. Das Betriebspersonal in der Leitwarte bewertet die Situation und informiert bei Bedarf das Instandhaltungsteam.

Während der Betrieb rund um die Uhr läuft, ist das Instandhaltungsteam zu regulären Arbeitszeiten im Einsatz – mit Pikettdienst für Notfälle ausserhalb dieser Zeiten. Diese Kombination aus automatisierter Überwachung und schneller Reaktionsfähigkeit sichert den stabilen Anlagenbetrieb zusätzlich.

Erfahrung und Fingerspitzengefühl

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Neben der digitalen Überwachung bleibt die Erfahrung des Instandhaltungsteams unersetzlich. Die Techniker kennen ihre Anlage bis ins Detail und erkennen Abweichungen oft schon an kleinen Veränderungen in den Temperaturverläufen.

Wenn ein Sensor beispielsweise dauerhaft höhere Werte anzeigt, kann das auf ein baldiges durchgebranntes Schutzrohr hindeuten – oder darauf, dass in einem Bereich des Ofens gerade mehr Brennmaterial liegt.

Bild Albert Balzer AG: Thermoelement im Einsatz im Verbrennungsofen mit elektrischem Anschluss an die zentrale Überwachung

Ein Beispiel zeigt hier ein Thermoelement, dass eine höhere Temperatur anzeigt wie bei den anderen Thermoelementen in diesem Bereich. Die Messwerte können von diesem Thermoelement nun einzeln angeschaut und analysiert werden.

10C-Widerstandsthermometer_im_Einsatz__Albert_Balzer_AG_800x.pngBild Albert Balzer AG: Bildschirmanzeige des Überwachungssystems der Linie 2: Anzeige aller Temperatur und Druckmessungen

Auf dem unteren Bild sieht man den Temperaturverlauf dieses Thermoelementes. Die Temperatur liegt nicht konstant hoch, sondern hat jeweils nur kurze Abweichungen nach oben oder nach unten. Somit kann man davon ausgehen, dass das Thermoelement mit dem Schutzrohr in Takt ist. Auf dieser Seite wird mehr brennbarer Müll liegen. Somit ist die Hitze höher als bei den anderen. 

10-Thermoelement_im_Einsatz__Albert_Balzer_AG_800x.pngBild Albert Balzer AG: Bildschirmanzeige des Überwachungssystems für ein einzelnes Thermoelement mit den Temperaturangaben der vergangen 30 Tagen

Vorausschauende Instandhaltung

IWB setzt seit Jahren auch auf präventive Wartung beim Material: Bauteile werden nicht erst ersetzt, wenn sie versagen, sondern sobald sich erste Anzeichen von Verschleiss zeigen – Kosten, Stillstandszeiten und Materialverbrauch werden minimiert. 

"Dank des modularen Aufbaus lassen sich beim Verschleiß einzelne Teile des Thermoelements mit Hochtemperatur-Schutzrohr rasch ersetzen."

Lagerhaltung und Reaktionsschnelligkeit

Ein weiterer Erfolgsfaktor bei IWB ist die Eigenverantwortung in der Ersatzteilhaltung. Da Thermoelemente und Schutzrohre hohen Belastungen ausgesetzt sind, hält das Instandhaltungsteam stets rund zwölf komplette Thermoelemente mit Schutzrohren und Einzelersatzteile auf Lager. Teile von Thermoelementen können auch einzeln ausgetauscht werden. So können defekte Komponenten bei Bedarf sofort ersetzt werden – ohne Wartezeiten.

Die räumliche Nähe zur Albert Balzer AG in Dornach ist dabei ein zusätzlicher Vorteil: Bei dringenden Fällen kann schnell geliefert oder persönlich vorbeigebracht werden. Das garantiert kurze Wege, hohe Flexibilität und maximale Betriebssicherheit.

Dank des Zusammenspiels von permanenter Überwachung, modularer Technik, präventiver Wartung und praktischer Erfahrung betreibt IWB ihre KVA-Anlage stabil, effizient und zuverlässig. 

«Eine gute Lagerbewirtschaftung ist das A und O für eine optimale Instandhaltung der Anlage.»

Zentrale Faktoren für eine stabile Temperaturüberwachung kurz zusammengefasst:

Für eine lange Lebensdauer der Thermoelemente mit Hochtemperatur-Schutzrohren sind vor allem folgende Punkte entscheidend:

Fazit:

  • Passender Werkstoff: Hitzebeständig, korrosionsfest und langlebig.
  • Präventive Wartung: Austausch bei ersten Verschleissanzeichen.
  • Erfahrenes Team: Erfahrung ergänzt digitale Überwachung.
  • Modularer Aufbau: Nur betroffene Teile ersetzen.
  • Kontinuierliche Kontrolle: Messwerte laufend prüfen und dokumentieren.
  • Zuverlässige Partnerschaft: Direkter Austausch mit Fachpartnern.
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Bild Albert Balzer AG: Schutzrohre in der Anfertigung
202_Flansch_480.png Bild rechts: Flansch nach Fertigstellung

Prozessanschlüsse für Thermoelemente

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Es gibt verschiedene Prozessanschlüsse: Flansch, Gewindemuffen oder Klemmverschraubungen.

Mit einer Schiebemuffe kann die Einbautiefe des Thermoelementes im Ofen individuell eingestellt werden.

Temperaturmessung – Bewährte Technik mit neuen Ideen

Das Instandhaltungsteam der KVA Basel denkt regelmässig darüber nach, wie sich die Temperaturüberwachung weiter absichern liesse – besonders für den Fall, dass Überwachungssystem einmal ausfällt. Oder der Langlebigkeit, welche die Hochtemperatur-Schutzrohre verbessert, zum Beispiel mit neuartigem Schutzwerkstoff.

Dennoch bewähren sich die Thermoelemente mit Hochtemperatur-Schutzrohren seit vielen Jahren im harten KVA-Umfeld. Andere Technologien wie Wärmebildkameras wurden geprüft, scheitern aber an Hitze, Staub und technischer Empfindlichkeit.

Trotzdem sehen die Techniker Verbesserungspotenzial: Eine lokale Temperaturanzeige* direkt am Thermoelement würde die Sicherheit zusätzlich erhöhen. Denkbar sind:

  • Bluetooth-Übertragung auf mobile Endgeräte,
  • Kleine Digitalanzeigen am Anschlusskopf oder
  • Einfache analoge Anzeigen

Solche Lösungen für lokale Temperaturanzeigen wurden IWB nach dem Gespräch aufgezeigt.

Diese Ideen sollen keine bestehenden Systeme ersetzen, sondern sie ergänzen – als zusätzliche Sicherheitsebene, falls die zentrale Überwachung ausfällt.

 

Zum Schluss unseres Besuchs:
Persönliche Einblicke aus dem IWB-Team

Am Ende unseres Rundgangs mit Maurizio Pascarella, hatten wir auch noch zwei persönliche Fragen an ihn. Uns hat interessierte:

 

Welche Ausbildung benötigt man im Team Instandhaltung bei IWB?

Maurizio Pascarella arbeitet im Team Instandhaltung, das aus rund 30 Mitarbeitenden im Bereich Elektro und Mechanik besteht. Das Team ist für die Wartung und Funktionskontrolle der gesamten Verbrennungsanlage verantwortlich – darunter auch die Thermoelemente und ihre Hochtemperatur-Schutzrohre.

Auf unsere Frage, welche Ausbildung man für diese anspruchsvolle Tätigkeit benötigt, erzählt Pascarella, dass er ursprünglich eine Lehre als Baustellen-Elektriker absolviert hat. Später arbeitete er in der Chemieindustrie, wo er sich auf Instandhaltungsarbeiten spezialisierte – ein idealer Hintergrund für die heutige Arbeit bei IWB.

Diese Laufbahn zeigt: In der Instandhaltung der KVA sind elektrotechnische Kenntnisse, praktische Erfahrung im Anlagenbetrieb und ein gutes Verständnis für thermische Prozesse entscheidend. Neben technischem Know-how braucht es vor allem Verantwortungsbewusstsein, Teamarbeit und ein gutes Gespür für Prozessabläufe.

 

Warum arbeitet IWB gerne mit der Albert Balzer AG zusammen?

Auf die Frage muss Maurizio Pascarella nicht lange überlegen. Er betont vor allem die Zuverlässigkeit, Kundennähe und kurze Reaktionszeiten.

Als er vor rund zehn Jahren zu IWB wechselte, kam es zu Lieferengpässen beim damaligen Anbieter. Über Empfehlungen stiess man auf die Albert Balzer AG – und blieb. Seither werden die Thermoelemente mit Hochtemperatur-Schutzrohr ausschliesslich von Balzer bezogen – und das aus guten Gründen:

„Bei einem Notfall erreicht man bei der Albert Balzer AG immer direkt die zuständige Person. Es braucht keine langen Wege, keine Tickets, keine Umleitungen – man spricht sofort mit jemandem, der sich auskennt.“

Die Nähe spielt ebenfalls eine Rolle: Die Produktion in Dornach ist nur wenige Kilometer von Basel entfernt. Das ermöglicht kurze Lieferzeiten, auch spontane Lieferungen oder persönliche Übergaben.

Neben der fachlichen Kompetenz schätzt IWB besonders die offene, partnerschaftliche Zusammenarbeit

„Die Produkte funktionieren zuverlässig und sind fair im Preis. Und wenn nötig, kommt Herr Kamber persönlich vorbei und schaut sich die Situation an. Das ist keine Selbstverständlichkeit.“

Diese direkte, unkomplizierte Art der Zusammenarbeit ist für das Instandhaltungsteam von IWB ein wesentlicher Grund, weshalb die Partnerschaft mit der Albert Balzer AG seit über einem Jahrzehnt erfolgreich besteht.

Fazit

Die KVA Basel zeigt, wie präzise Messtechnik und robuste Materialien den Dauerbetrieb sichern. Bei Temperaturen von über +1100 °C sind die Hochtemperatur-Schutzrohre das entscheidende Bindeglied zwischen Prozess und Messung – sie schützen die Thermoelemente, sichern stabile Werte und verlängern die Lebensdauer der Sensorik erheblich.

Die langjährige Zusammenarbeit zwischen IWB und der Albert Balzer AG beweist, dass Qualität, Nähe und Fachkompetenz auch in einem anspruchsvollen Umfeld den Unterschied machen. Zuverlässige Produkte, kurze Wege und direkter Kontakt schaffen Vertrauen – und genau das ist in der industriellen Temperaturmesstechnik entscheidend.

Ob in der Abfallverwertung, im Ofenbau oder in industriellen Hochtemperaturprozessen – überall dort, wo Hitze, Staub und aggressive Medien auf Technik treffen, sind Hochtemperatur-Schutzrohre unverzichtbar.

"Wo Industriewärme und aggressive Medien auf Technik treffen, sind Hochtemperatur-Schutzrohre für Thermoelemente unverzichtbar."

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Oder nehmen Sie direkt Kontakt mit uns auf – wir beraten Sie gerne persönlich zu Werkstoffen, Einbauvarianten und Anwendungsmöglichkeiten in Ihrem Betrieb:

Kontakt:

Remo Kamber
Geschäftsführer
061 701 92 90
remo.kamber@balzer-rotax.ch

 

"Sichere Temperaturmessung und lange Sensor-Lebensdauer? Setzen Sie auf Thermoelemente mit Hochtemperatur-Schutzrohr von Albert Balzer AG."

Wir bedanken uns bei IWB und Maurizio Pascarella herzlich für den spannenden Rundgang, das aufschlussreiche Interview und die vertrauensvolle, langjährige Zusammenarbeit.

Autor:
Carola Bläsi
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