Pt100 und Pt1000 im Praxisvergleich
Der richtige Sensor macht den Unterschied –
verstehen Sie Leitungswiderstand, Kabellänge
und die passende Wahl für Ihre Anwendung.
Der richtige Sensor macht den Unterschied –
verstehen Sie Leitungswiderstand, Kabellänge
und die passende Wahl für Ihre Anwendung.
Erfahren Sie, wie Leitungswiderstand, Kabellänge und Sensorauswahl die Messgenauigkeit beeinflussen und welche Lösung zu Ihrer Anwendung passt.
Der grundlegende Unterschied liegt im Nennwiderstand. Beide Sensoren bestehen aus Platin (kurz: Pt) und arbeiten nach demselben Messprinzip:
Das Bild zeigt einen Pt100-Sensor in Nahaufnahme. Der eigentliche Messbereich ist als feine Leiterbahnstruktur auf dem weissen Sensorelement erkennbar. Die vergrösserte Darstellung oben macht sichtbar, wie präzise diese Struktur aufgebaut ist. Beim Pt1000 ist die Leiterbahnstruktur das 10-fache. Genau dort verändert sich der elektrische Widerstand abhängig von der Temperatur.

Bild: Pt100-Sensor © Albert Balzer AG
In Bezug auf die Sensorqualität gibt es zwischen Pt100 und Pt1000 keinen grundsätzlichen Unterschied. Entscheidend ist vielmehr, welche Auswertungselektronik in der Anlage vorhanden ist und ob diese für einen Pt100- oder Pt1000-Sensor ausgelegt ist.
In der Gebäudetechnik werden heute überwiegend Pt1000-Sensoren eingesetzt. In der Industrie, im Apparatebau sowie in der Chemie- und Pharmabranche ist dagegen der Pt100 häufiger anzutreffen.
Für eine genaue Temperaturmessung spielen neben dem Sensortyp auch weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Dazu gehören insbesondere die Einbausituation, die Sensorklasse, die Leitungslänge, die Leiterschaltung sowie die verwendete Steuer- oder Auswerteeinheit.
Die Kabellänge ist ein wichtiger Faktor für die Genauigkeit der Temperaturanzeige. Bei einer 2-Leiter-Schaltung wird der Leitungswiderstand direkt mit gemessen. Dadurch verfälscht sich die Temperaturanzeige und das Fehlerrisiko steigt insbesondere bei längeren Leitungen.
Um diesen Einfluss zu reduzieren, bieten sich verschiedene Massnahmen an:
Jedes Kabel besitzt einen Leitungswiderstand von etwa 0.16 Ohm pro Meter. Beim Pt1000 wirkt sich dieser Widerstand jedoch deutlich weniger stark aus als beim Pt100, da der Basiswiderstand des Pt1000 zehnmal höher ist.
Ein Pt1000 hat bei 0 °C einen Nennwiderstand von 1000 Ohm, ein Pt100 dagegen 100 Ohm. Dadurch ist der Einfluss des Leitungswiderstands auf die Temperaturmessung beim Pt1000 rund zehnmal geringer und beträgt nur etwa 0.04 °C pro Meter Anschlussleitung.
Die Unterschiede werden in der Tabelle deutlich sichtbar. Bereits bei einer Messung von +10 °C ergibt sich bei einer Kabellänge von 5 m beim Pt100 eine um rund +1.8 °C höhere Abweichung (+2.0 °C) gegenüber eines Pt1000 (+0.2 °C Abweichung). Bei 10 m steigt diese auf rund +3.7 °C, bei 20 m auf etwa +7.4 °C. Beim Pt1000 fällt die Abweichung bei gleicher Kabellänge und gleichem Leitungswiderstand deutlich geringer aus als beim Pt100.
Beispiel: Temperaturabweichung bei +10 °C:
Alle Temperaturwerte sind auf eine Dezimalstelle nach dem Komma gerundet. Alle Angaben ohne Gewähr.
© Albert Balzer AG
Zur Veranschaulichung:
Das Messgerät zeigt mit einem Pt1000 bei gleicher Kabellänge also die deutlich genauere Temperatur an.
Im Onlineshop von sensorshop24.ch zeigt sich bei Pt100- und Pt1000-Sensoren mit gleicher Kabellänge und gleichem Leitungsmaterial grundsätzlich kein direkter Preisunterschied aufgrund des Sensortyps allein. Preisunterschiede ergeben sich vielmehr durch die Anzahl Leiter, das Leitungsmaterial und die Kabellänge.
Interessant wird es dann, wenn eine bestimmte Temperaturabweichung in der Anwendung tolerierbar ist. In solchen Fällen kann ein Pt1000 mit 2-Leiter-PVC-Anschlussleitung wirtschaftlicher sein als ein Pt100 mit 3- oder 4-Leiter-Anschlussleitung.
Beispiel:
Ein Pt1000 mit 2-Leiter-PVC bei 20 m ist günstiger als ein Pt100 mit 3- oder 4-Leiter-Anschlussleitung, sofern die Messabweichung für die Anwendung noch akzeptabel ist.
Es wird dann interessant, wenn bei einer Anwendung eine Abweichung von 0.8 °C nicht stört, dass so der Pt1000 2-Leiter PVC (18.90 CHF) deutlich günstiger ausfällt als ein Pt100-Sensor mit einem 3-Leiter (23.85 CHF) oder 4-Leiter (25.13 CHF) PVC-Anschlusskabel.
Preisübersicht – Pt100 und Pt1000 im Vergleich
Ausgangslage Artikel KP-PT100A-2L-5.0-650 (1): Kabelfühler Ø 6 mm PVC, Pt100 und Pt 1000 Klasse A, Hülsenlänge 50 mm, IP54
Pt100 und Pt1000 haben bei gleicher Ausführung den gleichen Preis. Unterschiede ergeben sich vor allem durch Kabellänge, Kabelmaterial, Anzahl Leiter etc.
Preise Pt100 und Pt1000
| 5 m Kabel | 10 m Kabel | 20 m Kabel | |
|---|---|---|---|
| 2-Leiter | 12.15 CHF (1) | 14.40 CHF | 18.90 CHF |
| 3-Leiter | 14.85 CHF | 17.85 CHF | 23.85 CHF |
| 4-Leiter | 16.13 CHF | 19.13 CHF | 25.13 CHF |
Alle Preise exkl. 8.1 % MWST, Quelle: www.sensorshop24.ch, April 2026, Preisänderungen vorbehalten.
Die Einbausituation und die Bauform des Temperaturfühlers sind entscheidend für die Messgenauigkeit. Werden diese Punkte nicht passend zur Anwendung gewählt, helfen auch hochwertige Sensoren, kleine Toleranzen oder eine aufwendige Leiterschaltung nur begrenzt weiter.
Widerstandsthermometer sind in verschiedenen Genauigkeitsklassen erhältlich, zum Beispiel Klasse B, A, AA, 1/5 DIN und 1/10 DIN. Am häufigsten eingesetzt werden die Klassen B, A und AA. Die Klassen 1/5 DIN und 1/10 DIN sind besonders genau, werden jedoch nur selten verwendet. Wichtig ist dabei: Auch ein sehr präziser Sensor erreicht seine Genauigkeit nur dann, wenn er fachgerecht eingebaut und passend zur Anwendung ausgewählt wird.
Ja, beides ist möglich. Pt100- und Pt1000-Fühler können entweder direkt an geeignete Widerstandseingänge angeschlossen oder über einen Messumformer in ein aktives Normsignal umgewandelt werden.
Passive Geräte speisen den Sensor in der Regel selbst mit einem Messstrom und erfassen anschliessend den Widerstand. Ein zusätzlicher Messumformer ist nicht erforderlich.
Typische Anwendungen sind:
Der Fühler selbst ist dabei kein aktiver Signalgeber, sondern ein temperaturabhängiger Widerstand.
Bei aktiven Lösungen wird in der Regel ein Messumformer vorgeschaltet. Dieser wandelt das Widerstandssignal des Pt100 oder Pt1000 in ein aktives Normsignal um, zum Beispiel:
Das Auswertegerät benötigt dann keinen Pt100-/Pt1000-Eingang mehr, sondern nur einen Eingang für Normsignale. Diese Lösung eignet sich besonders für lange Leitungen, SPS-Anwendungen oder industrielle Umgebungen mit erhöhten Anforderungen an Störsicherheit und Integration.
Welche Lösung sinnvoll ist, hängt vor allem von der Leitungslänge, der gewünschten Genauigkeit und dem vorhandenen Eingang am Steuergerät ab.
Auch die Qualität der Messleitung sollte nicht unterschätzt werden. Wir empfehlen den Einsatz einer hochwertigen Kupferleitung. Besonders bei 2-Leiter-Schaltungen spielt der Innenleitungswiderstand eine wichtige Rolle und kann die Messgenauigkeit spürbar beeinflussen.
Der Pt100 ist seit vielen Jahren ein etablierter Standard in der industriellen Temperaturmesstechnik. Er wird vor allem dort eingesetzt, wo robuste Prozesse, normierte Systeme und hohe Genauigkeit gefragt sind.
Der Pt1000 eignet sich besonders für Anwendungen, bei denen eine einfache Verdrahtung, längere Anschlussleitungen oder wirtschaftliche Lösungen gefragt sind. Durch seinen höheren Nennwiderstand fällt der Einfluss des Leitungswiderstands deutlich geringer aus.
Ob Pt100 oder Pt1000 die bessere Wahl ist, hängt vor allem von der Anwendung, der Auswerteelektronik, der Kabellänge und der gewünschten Genauigkeit ab. Während der Pt100 in vielen industriellen Anwendungen als bewährter Standard gilt, bietet der Pt1000 vor allem bei 2-Leiter-Schaltungen und längeren Leitungen praktische Vorteile. Entscheidend für eine zuverlässige Temperaturmessung ist am Ende immer das Zusammenspiel aus Sensor, Leiterschaltung, Einbausituation und Auswerteeinheit.
Der Hauptunterschied liegt im Nennwiderstand bei 0 °C. Ein Pt100 hat 100 Ohm, ein Pt1000 hat 1000 Ohm. Beide Sensoren bestehen aus Platin und arbeiten nach demselben Messprinzip.
Nicht grundsätzlich. Beide Sensortypen können sehr genaue Messergebnisse liefern. Entscheidend sind vor allem die Einbausituation, die Sensorklasse, die Kabellänge, die Leiterschaltung und die Auswerteelektronik.
Ein Pt1000 ist besonders vorteilhaft bei 2-Leiter-Schaltungen und längeren Anschlussleitungen, da sich der Leitungswiderstand deutlich weniger stark auf das Messergebnis auswirkt.
Jedes Kabel besitzt einen eigenen Leitungswiderstand. Bei 2-Leiter-Schaltungen wird dieser mitgemessen und kann die angezeigte Temperatur verfälschen. Je länger das Kabel, desto grösser kann die Abweichung werden.
Für höhere Genauigkeit empfehlen sich 3-Leiter- oder 4-Leiter-Schaltungen. Eine 2-Leiter-Schaltung eignet sich eher für kurze Kabellängen oder Anwendungen, bei denen kleine Abweichungen tolerierbar sind.
Ja. Beide Fühler können direkt an passende Widerstandseingänge angeschlossen oder über einen Messumformer in ein aktives Normsignal wie 4…20 mA oder 0…10 V umgewandelt werden.
Eine sehr grosse. Selbst ein hochwertiger Sensor erreicht nur dann gute Messergebnisse, wenn Bauform, Einbau und Genauigkeitsklasse zur jeweiligen Anwendung passen.
Nehmen Sie direkt Kontakt mit uns auf – wir beraten Sie gerne über die Anwendungsmöglichkeiten in Ihrem Betrieb:
Kontakt:
Remo Kamber
Geschäftsführer
061 701 92 90
remo.kamber@balzer-rotax.ch